Bericht Gießener Anzeiger vom 07.02.2013

Veröffentlichung durch die freundliche Genehmigung von Frau Manuela Zorn (Gießener Anzeiger)

 

Für das Hobby wird sogar die Nacht zum Tage gemacht

Hungener „Königsjäger“ treffen sich immer freitags auf eine Schachpartie im Kulturzentrum - Auch Blitzschach und Mitternachtsschach im Angebot

HUNGEN. Unter dem Motto „blitzschnell“ stand das jüngste Training der Königsjäger Hungen. Denn diesmal war es nicht einfach irgendein Training, sondern die vereinsinternen Meisterschaften im Blitzschach standen an. Sieben Mal pro Jahr gibt es diese Meisterschaften und am Ende wird der wohlverdiente Vereinsmeister gekürt. Also hieß es ab 17.30 Uhr: Nichts wie ab an die Tische und den Gegner in weniger als fünf Minuten Bedenkzeit pro Spieler schachmatt stellen. Einige Jugendliche des Vereins im Alter von 12 bis 17 Jahren waren gekommen, um sich in der Rangliste des Vereins einen Platz weit oben zu sichern. Und Turnierleiter Rainer Debus schaute ganz genau, dass auch alles seinen richtigen Gang geht und stellte fest: „Die Kinder und Jugendlichen haben sich alle im Laufe der Zeit sehr verbessert.“

Vielleicht liegt das ja an der guten Trainingsstruktur der Königsjäger. Hier gibt es nämlich keinen festen Trainer, sondern zwei Jugendleiter, die sich sowohl um die Anfänger als auch die Fortgeschrittenen kümmern und ihnen nach und nach alle möglichen Strategien vermitteln. Fabian Stolz und Stephan Hagel sind das derzeit. Sie spielen schon bei den Erwachsenen freitags ab 20 Uhr mit und nutzen gleichzeitig noch einmal mit ihren Teamkollegen die Chance, parallel zu den „Kleinen“ die letzten Taktiken klarzumachen. Denn auch bei ihnen war ein Blitzschach-Turnier für den Abend angesetzt.

Neben den internen Meisterschaften im Blitz, Schnellschach und im herkömmlichen Schach nehmen die Spieler darüber hinaus auch an Bezirksmeisterschaften teil. Als Vorsitzender Mirko Humme zum Jubiläum im vergangenen Jahr einmal auf die Chronik des Vereins zurückschaute, stellte er erfreut fest: „In zehn Jahren haben wir jeweils fünf Mal Bronze und Silber auf Bezirksebene geholt, das kann sich sehen lassen.“ Und sogar bei den Hessenmeisterschaften räumten die Königsjäger schon einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze ab.

Der Verein, der sich 2002 auf Initiative von Kindern und Jugendlichen hin gründete, kann also auf eine erfolgreiche Chronik zurückblicken. Und intern sind es gerade vor allem Dennis Moritz und Senta Pleier, die ganz oben in der Rangfolge stehen. Pleier spielt seit sieben Jahren im Verein und hat sich in den vergangenen drei Jahren stets den Titel der Vereinsmeisterin gesichert. Derzeit führend ist Moritz, der ebenfalls schon auf eine lange „Schachspiel-Zeit“ zurückblicken kann: „Ich spiele schon seit elf Jahren und war auch damals bei der Gründung des Vereins dabei. Interessant wurde Schach für mich, als mein Onkel einmal sein Glasschach hervorholte. Ich habe angefangen, Schach zu lernen und mich auf die Suche nach einem Verein gemacht“, so der 19-Jährige.

Wie Moritz kamen die meisten anderen zum Schach, so auch der 14-jährige Alex Sydorenko: „Ich habe ja eigentlich Fußball gespielt, aber dann hat mir mein Opa Schach beigebracht und das hat mich viel mehr interessiert. Jetzt bin ich schon seit anderthalb Jahren bei den Königsjägern“.

Schach scheint also nicht nur etwas für die ältere Generation zu sein. Bei den Königsjägern zeigt sich, dass der Denksport bestens bei den Kindern und Jugendlichen ankommt und es ihnen dabei nicht langweilig wird. Und dazu weiß Humme, dass das Schachspielen in jungen Jahren so manch positiven Effekt mit sich bringt: „Eine Studie hat belegt, dass Kinder, die früh Schach lernen, bis zu 40 Prozent besser in den Naturwissenschaften werden können. Darüber hinaus zeigt sich bei uns, dass sich teils hyperaktive Kinder zweieinhalb Stunden am Stück ohne Probleme konzentrieren können. Das ist schon genial.“

Dass der Spaß am Schach einfach nicht vergehen kann, zeigt sich in dem Highlight, das sich der Verein vor einiger Zeit ausgedacht hat. Zwei- bis dreimal im Jahr heißt es sogar mitten in der Nacht „Raus aus den Federn“, denn immer dann treffen sich die Spieler zum „Mitternachts-Blitz“ um ihren Gegner herauszufordern. Von Müdigkeit ist dann jedenfalls keine Spur mehr.